Ein Tag im Bett - Reflektionen über die Reise

 

Samstag 4.06.2022 (Tag 46)

Als ich aufwache regnet es ... ich schlafe hier bei offenem Fenster, obwohl um mich herum lauter Cafes und Kneipen sind, ist es auch nachts nicht laut ... und Autos höre ich glücklicherweise praktisch gar nicht. 

Ich lese noch etwas, dann döse ich und um 9:40 schaffe ich es aus dem Bett und mache mich fürs Frühstück fertig - natürlich ist genau jetzt alles voll ... aber während ich meinenTeller mit gebratenem Schinken, Rührei etc. fülle werden schon die ersten Tische frei und schnell bekomme ich einen abgeräumt, gesäubert und kann die nächsten 40 Minuten frühstücken.

In vielerlei Hinsicht ist das hier mein Lieblingshotel auf der Reise, die Lage, die Einrichtung des (4 Meter hohen) Zimmers, das Lichtkonzept in dem Zimmer, das Frühstücksbuffet - alles passt, ausser daß es im Fernsehen keine deutschen Kanäle gibt - aber das ist ja auch nicht wichtig ;-)


Hier ein kleiner Ausschnitt auf die Auswahl beim Frühstück ...

Nebenraum zur Lobby - als ich angekommen bin wurde er auch zum Schachspielen genutzt.

Wisst Ihr, was die Kunststoffröhre im Türrahmen ist? Ich hatte auch keine Ahnung, bis uns bei der Stadtführung erklärt und gezeigt wurde, dass die jüdischen Häuser eine Mesusa an der Türe haben: "An jüdischen Häusern oder Wohungen findet man am rechten Türpfosten ein kleines längliches Kästchen, die Mesusa. Darin ist ein Pergamentrolle, auf der das Gebet Schma Israel geschrieben steht. Wenn man fortgeht oder nach Hause kommt, berührt man die Mesusa und bittet Gott um Schutz".

Nach dem Frühstück sitze ich am Schreibtisch ... noch genau 14 Tage Reisezeit - der grobe Plan, Zakopane (Wandern in den Bergen), Warschau (Hauptstadt muss sein) Danzig, bzw. wohnen werde ich in Sopot, einem Vorort direkt an der Ostsee und dann noch Posen - von da aus kann ich in 9 Stunden nach Hause kommen. 

Ich prüfe Zugverbindungen versuche über das Internet eine Zugreservierung zu buchen (alle Schnellzüge in Polen benötigen eine Platzreservierung) - endlich gelingt mir das auch und suche dann Zimmer/Hotels - schliesslich habe ich für die nächsten 3 Stationen gebucht, nur Posen ist noch offen - inzwischen ist es 13:45 ... erschöpft mache ich einen Mittagsschlaf - eigentlich hat es aufgehört zu regnen und ich könnte auch rausgehen - aber das Hotel ist so schön ;-)

Als ich wieder aufwache habe ich immer noch keine Lust auf Herumlaufen und lade Bilder von der Kamera auf dem Computer, schreibe Blog für die letzte Woche und wähle die Bilder aus, die ich im Blog und auf Instagram veröffentlichen will.

Zwischendurch klopft es, nein ich brauche heute keinen Service und keine Reinigung des Zimmers ... 

Jetzt noch ein Kapitel schreiben und dann noch eine Datensicherung von Computer auf den USB-Stick, den ich immer am Körper trage (schon knapp 2000 Fotos, bei meiner 3 monatigen Reise durch Südamerika hatte ich den Spruch, "sie können mir alles klauen, außer den Pass, das Rückflugticket und die belichteten Filme" ;-)

Die Planung hat mich ziemlich erschöpft - bei jedem Hotel muss ich überlegen: ist das das richtige, gibt es ein schöneres zu ähnlichen Konditionen, was wurde bewertet - ah alles super, aber sehr hellhörig, ne das nehme ich dann doch nicht, das nächste sieht noch besser aus, liegt aber zu weit weg vom Bahnhof oder der Innenstadt ... oder an einer Straße ....

Ich habe alle meine Hotels auf dieser Reise über booking.com gebucht...keine Ahnung ob es etwas besseres gibt, aber ich komme mit den Suchen / Filtern / Bildern und Bewertungen sehr gut zurecht und hatte auch noch kein Hotel, dass mich komplett enttäuscht hat 

Dann die Frage, 2, 3 oder 4 Nächte? Also, wenn ich am Anreisetag noch etwas ansehen kann, sollten vielleicht 2 Nächte reichen - aber dann ist das ganze wieder so stressig und Blog schreiben will ich ja auch noch ... 3 Nächte sind schon besser - aber dann sollte das Hotel auch wirklich passen - ich sehe mir die Alternativen noch mal an ... 4 Nächte habe ich nur einmal direkt gebucht, dass war hier in Krakau, da ich wusste, dass ich einen kompletten Tag in Auschwitz sein werde. In Prag habe ich verlängert, da mir die Stadt so gut gefallen hat und in Budapest habe ich auch verlängert, da gab es ebenfalls einfach zuviel zu sehen ... also meist habe ich nur die nächste Station geplant und dann auch erst 24 Stunden vorher gebucht ... das gibt schon viel Freiheit - aber führt natürlich auch zu vielen Überlegungen und Planungen ... 

Wenn man sich meine Reiseroute ansieht, fällt auch auf, dass diese eher eine Blüte formt, Wien war ein zentraler Ort in dem ich zwar nur einmal ein Hotel hatte, aber mehrmals umgestiegen bin und Villach wurde durch die Idee, mit Dagmar noch einmal nach Slowenien zu reisen auch zu einem zentralen Ort, an dem ich 3 Mal durchgekommen bin.


 Insgesamt habe ich meinen ursprünglichen Plan dann doch ganz gut verfolgt, da mir ja schon klar war, dass ich nicht alles in 2 Monaten machen kann - und dann die Orte, die entweder sehr langes Zugfahren erfordertet hätten (Rumänien, Bulgarien) oder gar nicht gut per Zug zu erreichen waren (südlicher Balkan) weggelassen habe.

Dadurch, dass ich auch kleinere und unbekannte Städte, wie z.B. Maribor in Slowenien besucht habe,  habe ich natürlich auch auf andere Ziele verzichten müssen ...mehr Vorbereitung zu Hause hätte die Route eventuell optimieren können - aber dass mir Slowenien so gut gefällt, habe ich ja erst erleben müssen :-)

Ach ja, inzwischen ist es 21:22 und ich habe das Zimmer immer noch nicht verlassen und mich von Wasser und Studentenfutter ernährt. Darf man einen ganzen Tag vergammeln????

Das Thema FOMO (fear of missing out) also die Angst etwas zu verpassen ist natürlich auf so einer Reise immer vorhanden, da ich ja nicht weiss, ob ich hier jemals wieder herkomme, bzw. eher davon ausgehen kann, nicht dieselben Städte noch einmal zu berreisen.

Ich vergleiche das für mich mit dem Unterschied zwischen einem Sprint (Städtreise für eine verlängertes Wochenende) und einem Marathon (8 Wochen unterwegs) bei dem man einfach Pausen einlegen muss - manchmal eben auch einen kompletten Tag im Bett verbringen - wenn das Wetter eh keinen Spass macht ;-)

Und dann noch ein paar Worte zum "Alleine Reisen" - auch wenn mir die 14 Tage mit Dagmar sehr gut gefallen haben, hat mich alleine Reisen nur ganz am Anfang frustriert ... Dabei habe ich damals schon festgestellt, dass ich die Auszeit gut brauchen kann und jetzt geniesse ich das total. Ich unterhalte mich nur sehr wenig - meist im Rahmen eines Free Walking Tour und natürlich beim Ein- und Auschecken im Hotel oder bei der Essensbestellung im Restaurant - darüber hinaus telefoniere ich vielleicht 2 Stunden die Woche und sonst komme ich sehr gut mit mir klar - freue mich aber auch schon sehr aufs Tanzen und tatsächlich auch auf die Arbeit... ich werde versuchen direkt eine Routine zu bekommen, dass ich wieder mehr Zeit im Büro verbringe :-)

Habt Ihr noch Fragen?? Schreibt doch gerne in die Kommentare .... ich versuche dann zeitnah zu antworten 


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