Krakau (und Kazimierz) und Auschwitz-Birkenau

 

Mittwoch 1.06.2022 (Tag 43)

Heute ist vor allem ein Reisetag, ich habe allerdings einen durchgehenden Zug, das entspannt schon einmal sehr. In 5 Minuten bin ich aus meinem Zimmer auf den Bahnsteig gelaufen. Im Bahnhof bin ich kurz irritiert, heute endet die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln in Österreich - davon sehe ich allerdings im Bahnhof nichts, später im Zug lese ich einen Artikel, dass der Oberbürgermeister von Wien die Maskenpflicht für Wien aufrecht erhält.  Auf dem Bahnsteig bin ich dann allerdings im Freien und im Zug nach Polen trägt praktisch niemand mehr eine Maske.

Nachdem ich in Krakau angekommen bin, lasse ich mich von google zu meinem Hotel führen - es liegt in Kazmierz, dem (ehemaligen) jüdischen Viertel von Krakau, ca 12 Minuten Fussweg von der Altstadt. Nachdem ich den Bahnhof verlassen habe und die erste große Kreuzung überquert habe, laufe ich im Park, der einen kompletten Gürtel um die Altstadt bildet - schön und kühl ... und eine Bank neben der anderen!


Im Eingangsbereich des Hotels sind 3 Uhren, Krakau, New York und Tel Aviv - ich finde später noch einen anderen Hinweis auf die jüdischen Eigentümer ...

Das ganze Hotel und mein Zimmer sind praktisch neu - in dem 4 Meter hohen Zimmer sind die Möbel wunderpar pasend, das Lichtkonzept ist durchdacht und auch die sonstige "Elektronik" ich gut geplant, so können die Zimmermädchen von aussen erkennen, ob jemand im Zimmer ist... 


 Ich richte mich schnell ein und mache einen ersten Spaziegang durch die Altstadt, ziehe Geld und esse eine Kleinigkeit ...  morgen früh habe ich ich wieder für eine free walking tour angemeldet und weiss jetzt auch schon, wo wir uns treffen...







Donnerstag 2.06.2022 (Tag 44)

Nach dem wirklich fantastischen Frühstücksbuffett mache ich mich auf in die Stadt, zur Tour. 

Hier auf dem Bild nur die Obstauswahl - als Beispiel ....

Wir treffen uns an dem gut erhaltenen Stadttor, bzw. Vorbau zum Stadttor. Was man auf dem Bild nicht so gut sehen kann, ist dass der Durchgang nicht gerade ist, sondern ca einen 60° Knick macht. So konnten die potentiellen Feinde nicht durchreiten, sondern mussten abbremsen und, wie ich später in Warschau erfahren werde, der Knick ist bewusst so gewählt, dass die Verteidiger den Blick auf die rechte Seite der Angreifer haben (die Schwerthand, nicht die Schildhand) und sie so besser abschiessen konnten.

 

Dann laufen wir durch die gut erhaltenen Stadt, bekommen einen Überblick über die Geschichte, so war Krakau lange Zeit die Hauptstadt und auch der Krönungsort der polnischen Könige, die sich, ähnlich dem deutschen Kaiser, aber von der Reichsfürsten wählen lassen mussten. Das kostete zum einen viel (Bestechungs-) Geld und zum anderen hatte der polnische König dadurch weniger Macht. Deshalb verlegte dann einer die Hauptstadt nach Warschau (weg von den Fürsten), was ohnehin schon eine wichtige Stadt im Königreich Polen/Litauen war, da sie zentraler lag. 

Wir laufen an einem Museum vorbei, das eines von 3 Frauengemälden da Vincis enthält (unsere Reiseleiterin findet sie schöner als die Mona Lisa). Ich habe das Museum dann später doch nicht  besichtigt, kommen auf den zentralen Platz und betrachten die Kirche mit den 2 unterschiedlich hohen Türmen


und sind genau so getimed, dass wir den Bläser, der dort seit hunderten von Jahren ohne Unterbrechung, immer zur vollen Stunde bläst, hören und sehen können. Dabei bricht die Melodie ab, in Erinnerung an einen Bläser, der die Stadt vor Gefahr gewarnt hat und dabei von den angreifenden Tartaren mit einem Pfeil erschossen wurde:

In der Markthalle sind heute Andenken- und Bernsteingeschäfte

An einem Ausgang sehen wir noch das Messer, mit dem zu früherer Zeit Betrügern direkt das Ohr abgeschnitten wurde - daran waren sie dann zu erkennen und niemand würde weiter mit ihnen Handel treiben.

 

Das das Messer schon mehrmals geklaut wurde, darf man bzgl. der Authentizität Zweifel hegen ;-)

Interessant ist auch dieser Eingang in eine Kapelle, der einmal nach oben führte - jetzt aber knapp ein Meter unter dem Niveau des Platzes liegt. Im Rahmen der Jahrhunderte hat sich also über Müll und Schutt etc. das Nivau des Platzes angehoben (so etwas kann man auch in Köln sehen, die römischen Bögen vor dem Dom sind nur die Spitze des ursprünglichen Tores, wenn man in die Domgarage geht, kann man auch die unteren Teile des Tores sehen...)

Wir besichtigen dann noch die Universität und laufen zuletzt auf die Burg - die Kathedrale ist ein wunderbares Beispiel für praktisch alle kunstgeschichtlichen Strömungen seit der Romanik, da immer wieder in dem aktuellen Stil angebuat wurde




Von dort oben haben wir auch einen tollen Blick über Kazimierz, heute ein Stadteil von Krakau (in dem  ja auch mein Hotel liegt) früher aber eine eigenständige Stadt, in der sich die Juden angesiedelt haben, als sie gezwungen wurden Krakau zu verlassen (1494).

Unser Guide erzählt, dass sie nachmittags eine Tour durch Kazimierz und das jüdische Getto anbietet, für die ich mich dann auch anmelde.

Heute ist Kazimierz auch das Viertel, in dem man abends ausgeht - viele Kneipen, Restaurants und etwas, das wir in Köln Büdchen nennen (Späti in Berlin glaube ich), wo sich die jugendlichen mit preiswerteren Getränken versorgen können...


Unser Guide erzählt später, dass sie in diesem Restaurant/Cafe/Kneipe schon mehrmals abgestürzt ist und morgens auf den Tischen zwischen den Nähmaschinen getanzt hat.

Wir erfahren viel über das jüdische Leben, vor allem im Mittelalter und besichtigen diesen jüdischen Buchladen

Betrachten die erhaltenen Synagogen und wiedereröffenten Hotels.An dem unten zu sehenden Beispiel lernen wir was eine Mesusa ist, eine Schriftkapsel am Türpfosten, die ein darin enthaltenes beschriftetes Pergament mit dem Gebet Schma Israel. Bei Verlassen und Betreten des Hauses berührt man die Mesusa und bittet Gott um Schutz.

Hier ein Foto meines Hotelszimmers:

Wir laufen durch verschiedene Innenhöfe, den unten fotografierten könntet ihr wiedererkennen, er ist einer der Orte, die in Schindlers Liste vorkommen.


Insgesamt werden/wurden viele Filme in Krakau bzw. Kazimierz gedreht, da hier sehr wenig Zerstörung im und nach dem 2. Weltkrieg stattgefunden hat.

Nach 1939 und vor dem Transport in die Vernichtungslager wurden die Juden auch aus Kazimierz vertrieben und im Krakauer Ghetto zusammengepfercht. Viel erhalten ist nicht, und so lassen wir uns die Geschichte erzählen, während wir an den entsprechenden Orten, oft gekennzeichnet durch Gedenkplaketten, vorbeilaufen. Ein Stück original Ghettomauer ist erhalten...

und es gibt ein Mahnmal „scheinbar leere Stühle“, das an den Transport in die Vernichtungslager erinnert.


 

Freitag 3.06.2022 (Tag 45)

Heute habe ich eine Tour nach Auschwitz und Birkenau gebucht - Da das Treffen erst  um 13:00 ist, laufe ich noch einmal in die Altstadt und sehe mir das Schloss an - leider sind wieder so viele Schulklassen unterwegs, dass mich die Schlangen an der Kathedrale abschrecken ... 

Wir fahren mit 2 großen Bussen nach Auschwitz, ein Bus ist nur mit spanisch sprechenden Toruristen gefüllt, der 2. jeweils zur Hälfte mit einer spanisch sprechenden Gruppe  und zur anderen Hälfte mit einer englisch sprechenden Gruppe - zu der auch ich gehöre.

Der Busparkplatz ist so voll, dass unser Bus nicht mehr drauf passt, wir steigen auf der Straße (an einer Linienbushaltestellte) aus und laufen Richtung Kasse und Eingang - überall Menschen, Schülergruppen, Schlangen ... unser Guide sortiert die Gruppen, stellt uns unsere lokalen Guides vor und nach der Sicherheitskontrolle beginnt dann die Führung...

Unser lokaler Guide spricht schlecht Englisch und für mich klingt es nach Abspulen von Erklärungen  - eigentlich erfahre ich auch keine neuen Dinge, die Erzählungen haben wir schon in der Schule gehört und  ich habe auch viel über Judenverfolgung und -vernichtung  gelesen, in Romanform und Tatsachenberichten.

Bei der Besichtigung zeigt sich aber die absolute Unmenschlichkeit mit der in diesen Todesfabriken vorgegangen wurde und das ist auch beim erneuten Hören unerträglich ... nur eine Sache, wusstet Ihr, dass den Menschen, nachdem sie in der Gaskammer umgebracht wurden, die Haare geschoren wurden um aus diesen dann Stoffe für Uniformen herzustellen ...


Den Abend habe ich dann nachdenkend und lesend im Hotel verbracht

Samstag 4.06.2022 (Tag 46)

Es regnet und ich bleibe im Bett - Dazu habe ich einen eigenen Blogeintrag geschrieben: Ein Tag im Bett :-)

Sonntag 5.06.2022 (Tag 47) vormittags

Heute Nachmittag geht es weiter nach Zakopane, nach dem Frühstück stelle ich mein Gepäck im Hotel unter und laufe noch einmal in die Altstadt und auf die Burg - jetzt will ich endlich in die Kathedrale... Was ich nicht bedacht habe: Es ist Pfingstsonntag! Das bedeutet, dass in allen Kirchen stündlich ein Gottesdienst stattfindet - bis 14:00 oder 15:00 Uhr und erst danach Besichtigungen möglich sind... das hätte ich dann doch gesten tun sollen :-/


 Dafür findet ein "Drachenumzug" statt. Schon auf dem Weg im Park habe ich die verschiedenen Gruppen mit ihre selbstgebastetlen Drachen gesehen und auf dem Rückweg bin ich mitten im Umzug - wie Karneval ohne Musik, Gesang, Kamelle und Kostüme der Zuschauer ... also doch anders, aber die Kinder sind voll begeistert und es macht Spass zuzusehen.




Dann hole ich mein Gepäck und laufe zum Bahnhof - den Weg kann ich inzwischen optimieren und bin so deutlich schneller, als auf dem Weg zum Hotel vor 4 Tagen. Mein Zug ist angeschlagen, allerdings ohne Gleis... am Anfang beunruhigt mich das nicht, da Gleise hier öfter erst 15-20 Minuten vor Abfahrt des Zuges auf der Tafel auftauchen ... 

apropos - hier gibt es immer 3 Angaben, wo der Zug abfährt: 1.) der Bahnsteig, 2. das Gleis (also auf welcher Seite des Bahnsteigs) und 3. der Abschnitt... eigentlich wäre der Bahnsteig überflüssig, da auch das Gleis, wie in Deutschland eindeutig ist (Also Bahnsteig I Gleis 1 und Gleis 2, Bahnsteig II Gleis 3 und Gleis 4 usw.). Allerdings schafft das eine höhere Flexibilität, da auf dem Fahrplan oft nur der Bahnsteig steht und so erst kurz vor Einfahrt des Zuges entschieden wird, auf welchem der beiden Gleise der Zug einfährt (das gibt es bei uns ja auch ;-)) und die Leute, so aber schon auf dem richtigen Bahnsteig warten. 

Aber zurück zu meinem Zug nach Zakopane, der wird weiterhin nicht angezeigt, aber da steht aber was von BUS ... solle das ein Schienenbus sein?? Als es nur noch 15 Minuten bis zur Abfahrt sind, werde ich doch nervös und laufe in den Busbahnhof, der direkt nebenan ist, hier fahren auch Busse nach Zakopane (z.B. Flixbus) aber nicht mein Zug/Bus?? ...

....also zurück in den Bahnhof - am Schalter sind lange Schlangen, da werde ich nichts erfahren, doch da an dem Raum steht Information - ich trete ein - niemand ausser mir benötigt gerade Hilfe und frage auf englisch nach meinem Zug ... und werde verstanden ;-))  - Die Gleise werden repariert und es fährt ein Ersatzbus ... nicht vom Busbahnhof, sondern direkt hinter dem Bahnhof soll ich gucken. Also noch schnell auf Toilette - das wäre sonst erst im Zug fällig gewesen - aber jetzt, mindestens 2,5 Stunden im Bus... Dann nach draussen - jetzt habe ich nur noch 5 Minuten bis zur Abfahrt und werde nervös, wo steht mein Bus???? Da rechts fahren ganz viele Busse ab, mit richtige Anzeige am Bussteig ... aber keiner nach Zakopane, nur noch 3 Minuten - schnell frage ich an einem Schalter, der Busfahrkarten verkauft ... links, ein weisser Bus soll es sein ... ich hetze dahin, tatsächlich ... auf einen kleinen Schild im Busfenster (auf der vom Bahnhof abgewandten Seite) steht Zakopane. Ich schmeisse mein Gepäck in das offene Gapäckfach unter dem Bus und steige ein, 1 Minute später gehts los ... das war mal knapp...
 
 

 

 

 

 






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